liquid society
Elisabeth Bereznicki
Malerei und Installation
22.1.2016 bis 20.2.2016
Einführung: Marek Kralewski
Eröffnung: Donnerstag 21.1.2016 um 20 Uhr



Elisabeth Bereznicki beschäftigt sich in ihrer Malerei mit der uns umgebenden Dingwelt - mit Objekten und Geräten aus dem alltäglichen Gebrauch. Möbel, Vasen, Bücher, Geschirr, Schuhe, Topfpflanzen und Lampen bevölkern Ihre Bilder. In unterschiedlichsten Konstellationen kombiniert die Malerin diese Gegenstände auf dem Malgrund, einer Alu-Dibond-Platte.

Im Gegensatz zur Leinwand ist die Oberfläche dieser Platte glatt und undurchlässig und bietet dem Pinsel der Künstlerin während des Malprozesses einen größeren Widerstand. Die Farbe liegt als Farbrelief auf dem Grund und steht im Kontrast zur aseptischen Oberfläche. So scheinen die Gegenstände im luftleeren Raum den Gesetzen der Schwerkraft enthoben zu schweben. Dieser Effekt wird durch den Umstand verstärkt, dass Bereznicki die Umrisse der Motive aus der Folie herausschneidet, die werkseitig zum Schutz der Platte auf der Oberfläche aufgebracht ist. Die entstandenen Leerstellen füllt die Künstlerin mit ihrer pastosen Ölmalerei. Nach dem Abziehen der restlichen Folie bleiben scharf geschnittene Kanten stehen, die man mit einem Pinsel nicht zustande brächte. Dem additiven Vorgang des Farbauftrags wird der subtraktive Vorgang des Herausschneidens beiseite gestellt. Hier sind im Entstehungsprozess der Bilder von Bereznicki Gestaltungsprinzipien angelegt, welche für ihre Kunst eine zentrale Bedeutung haben: die Malerei und die Collage.

Während der Vorbereitung zu ihren Bildern arbeitet Bereznicki mit Fotografien ihrer Motive, die sie ausschneidet, neu zusammenfügt, wieder fotografiert, im Computer bearbeitet, malt und so immer neue Zusammenhänge erprobt. Es ist also ein Zusammenführen von analogen und digitalen Methoden, die letztlich in einer Malerei mündet, die diese Medien und Methoden reflektieren.

Die Lust an der Farbe, den Kontrasten, der Textur und Materialität der Ölfarbe zelebriert Bereznicki innerhalb der scharf umrissenen Formen. Die Binnenstruktur entwickelt dabei zuweilen ein Eigenleben, das sich von der Form und Farbe des ursprünglichen Motivs löst. So gerät eine Stuhlsitzfläche zu einem abstrakten Zusammenspiel von Farbvaleurs. Hier führt Bereznicki die Vielfalt der malerischen Möglichkeiten vor. Zweifellos beherrscht sie ihre Ausdrucksmittel und geht dementsprechend souverän mit ihnen um.

Hier ist die Malerei ein Plädoyer für die die Sinnlichkeit und Eigengesetzlichkeit der Malerei. Oft totgesagt ist es der Malerei doch immer wieder gelungen sich selbst zu behaupten, trotz Digitalisierung und dem Zurückweichen der Dinglichkeit, trotz oder vielleicht gerade wegen der Langsamkeit des Herstellungsvorgangs und der Verbundenheit mit der Malhand, dem Leib, dem Subjekt des Künstlers/der Künstlerin. Die Malerei malt sich in gewissem Sinne selbst. Sie ist nicht ausschließlich dem Willen des Malers unterworfen.

Prof. Nikolaus Bischoff

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