Ria Hochmann und Monika Rienössl - achtundvierzig - Fotografie und Video


Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich ein zur Eröffnung unserer Ausstellung am
Donnerstag, den 22.Januar 2015, 19.30 Uhr

Einführung: Thomas Menzel

Ausstellung: 22.Januar bis 19. Februar 2015

Die heute eröffnete Ausstellung „achtundvierzig“ ist ein Projekt der beiden Künstlerinnen Ria Hochmann und Monika Rienössl. Sie lernten sich 2008 auf einem Seminar von Nancy Davenport in Wien kennen. Daraus ergab sich, dass sie sich häufiger in Wien und Freiburg trafen und dabei die Frage aufkam, welche ihrer Wohnorte südlicher liegt – Freiburg oder Wien? Bei der Beantwortung ihrer Frage entdeckten sie, dass sie nicht nur als Menschen, sondern auch auf der Erdoberfläche sozusagen auf einer „Wellenlänge“ liegen, denn Freiburg und Wien liegen beide auf dem 48. Breitengrad. Aus dieser Entdeckung entstand die Idee für das Kunstprojekt „achtundvierzig“. Um ihre Idee umzusetzen, bedienten sich die Künstlerinnen der Fotografie und Videokunst.

Zu den Anfängen der Fotografie:

Künstler haben schon sehr früh die Camera obscura als Mittel der künstlerischen Darstellung bemüht. Damalig bedarf es noch des Künstlers, der hinter der Mattscheibe auf einem Transparentpapier das Bild nachzeichnete und es dann über ein Raster auf größere Formate übertrug. In der heutigen Zeit- in den 60er bis 90er Jahren über einen Diaprojektor und heute über einen Beamer - immer noch eine beliebte Methode, um möglichst realitätsnahe Werke zu erschaffen. Es war früher also noch der Künstler, der mit seiner Zeichnung das Licht einfing und daraus ein Werk erstellte. Bis Joseph Nièpce ihm das abnahm. Um das einfallende Licht einzufangen, benutzte er eine Zinkplatte mit Asphaltbeschichtung. Materialien, die jedem Radierer bekannt sind. Wer hätte gedacht, dass die erste Fotografie und die Arbeit an der Radierungspresse sich der gleichen Mittel bedienten. Das Bild, das Nièpce erstellte war ein Fensterbild. Wie die Fensterbilder unserer beiden Künstlerinnen auf einem lichtempfindlichen Silikonchip.
Nièpces Technik der Bildaufzeichnung wurde von der Daguerreotypie und später durch Silberbromverfahren abgelöst. Im Morat-Institut ist übrigens so eine Daguerreotypie zu bewundern. Mit der Fotochemie gelang es über ein Jahrhundert hinaus zeitliche Ereignisse relativ authentisch darzustellen und für die Zukunft zu erhalten. Man friert quasi die Zeit ein. Auch früh erkannte man in der Fotografie die Möglichkeit zeitliche Abfolgen für das menschliche Auge darzustellen. Ein Mensch, der rennt – ein Pferd, das galoppiert. Aus dem schnellen Ablauf der Bilder entwickelte sich der Film und letztlich die Videokunst.

Wer hatte nicht als Kind ein Daumenkino.

Dieser Ausflug in die Vergangenheit begann vor ca. 2 Jahrhunderten. Kommen wir zurück in die heutige Zeit.

Dieser beiden Mittel- Fotografie und Video - bedienten sich Ria Hochmann und Monika Rienössl. Einmal, indem sie die Art der Veränderung des Gleichen durch einen zeitlichen Ablauf, das Foto und andererseits einen gleichen Ausschnitt, aber mit einer Veränderung der Position, das Video festhielten. Idee des Fotoprojektes war, von ihren jeweiligen Lebensmittelpunkten – Freiburg Wien – den Blick einander auf der „48er Linie“ zuzuwenden. Die beiden Künstlerinnen haben über einen Zeitraum von einem Jahr jeweils 48, insgesamt also 96 Fensterbilder gemacht. Wobei zu erwähnen ist, dass das erste gemachte Foto von Nièpce ein Fensterbild war. Die Freiburger Künstlerin fotografierte aus ihren privaten Räumlichkeiten durch das Fenster in Richtung Wien, eben den 48. Breitengrad entlang und die Wiener Künstlerin aus Wien in Richtung Freiburg – auch den 48. Breitengrad entlang. Die Zahl 48 spielt dabei auch eine Rolle für den zeitlichen Abstand der Aufnahmen. Die Künstlerinnen teilten die Tages des Jahres, 365 durch 48 und kamen zu dem Ergebnis 8, so dass sie alle 8 Tage eine Aufnahme machten. Sie wollen, wie sie sagen, damit den immensen Raum zwischen sich verbildlichen. Nähe, Ferne und Vergänglichkeit werden durch bild-räumliche und zeitliche Festlegungen bestimmt. Einmal durch die existierende Distanz von 700 km auf dem 48. Breitengrad, zum anderen durch zeitgleiche Aufnahmen in die jeweilige Richtung der anderen. Von Freiburg nach Osten Richtung Wien und von Wien nach Westen Richtung Freiburg. Und dies immer am gleichen Tag und mit dem gleichen Blick bzw. Bildausschnitt aus dem Fenster hinaus. Das Ganze für die Dauer eines Jahres.

Dieses Projekt ist ebenso ein Dokument der Zeit und Veränderung. Nicht jeder Tag ist gleich wie der andere. In der Fotografie spielt der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle. Die Kamera zeichnet das Licht auf, das zu einem bestimmten Zeitpunkt von verschiedenen Objekten reflektiert wird. Nun gibt es schon so ziemlich seit den Anfängen der Fotografie, vor der Erfindung des Films, von Künstlern - wie schon gesagt - die Versuche zeitliche Abläufe fotografisch darzustellen, z.B. die Bewegung eines Menschen oder Pferdes etc.

Aber anders als bei diesen Versuchen bedienen sich die beiden Künstlerinnen sowohl der Fotografie als auch des Filmes, um zeitliche und geografische Ereignisse festzuhalten. Die Art wie sie jede Woche eine Aufnahme aus dem Fenster ihrer Wohnung ins Umfeld machen – immer den gleichen Ausschnitt – nur mit ständig wechselnden Lichtverhältnissen. Was mich an den von mir sehr geschätzten Prof. Dreher erinnert, der mit seiner Malerei in einer Serie das gleiche Glas immer wieder bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen darstellt. Was zeigt uns das Projekt der Künstlerinnen weiter? Das Projekt zeigt uns auch, dass die subjektive Wahrnehmung der von den Künstlerinnen erfassten Objekten sich von Woche zu Woche unterscheiden. Es zeigt uns, dass wir nicht die Gegenstände sehen, sie sind immer gleich, nur das Licht verändert sich und wir nehmen dieses veränderte Licht wahr. Stimmungen der verschiedenen Tages- und Jahreszeiten werden sichtbar.

Durch den Einjahreszeitraffer treten kleine räumliche Veränderungen hervor, werden bewusst.

Signalisierte die Verbindungslinie des 48er Breitengrades einerseits die Verbundenheit der Künstlerinnen, so zeigte sich aber auch die Distanz. Erst das Zusammenführen der Bilder löste diese wieder auf und stellte die Verbindungslinie wieder her.
Das Videoprojekt dokumentiert eine Reise auf dem 48er Breitengrad von Freiburg nach Wien, bei der ein 23 m langer gedruckter Streifen mit den jeweils 48 Fensterblicken zu einer Ausstellung transportiert wurde. Es wurde eine Route gewählt, die möglichst nahe am 48. Breitengrad entlang führte. Vier Tage standen im Oktober 2014 für diese Reise zur Verfügung. Das Auto wurde für Foto und Film entsprechend präpariert und die 980 km lange Fahrt auf Land- und Nebenstraßen konnte beginnen. Diese täglich acht bis zehn Stunden andauernde Reise führte die Künstlerinnen durch mind. 150 kleine und größere Dörfer und Städte.

Das Fensterbild von Nièpce wurde übrigens für 90.000 Pfund ersteigert und bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass die Fensterbilder der beiden Künstlerinnen erworben werden können – übrigens zur Zeit noch günstiger als das von Nièpce aus dem Jahr 1826.

Natürlich können Sie auch das Projekt als Katalog erwerben, genauso wie das Video, das die Reise von Freiburg nach Wien auf dem 48er Breitengrad wiedergibt. Der Katalog ist in einer Edition von 20 nummerierten und signierten Exemplaren zu kaufen. Die beiden Künstlerinnen stehen Ihnen gerne für Fragen zu ihrem Projekt zur Verfügung.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen interessante Gespräche.

Thomas Menzel

 



 

 

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