Werner Schweinfurth
Malerei, nichts sonst

Eröffnung: Montag, den 23. Juni 2014, 19.30 Uhr

Einführung: Jennifer Trauschke M.A. Kunstverein Freiburg

Ausstellung: 25. Juni bis 26. Julii 2014



Einführung:
Was bereits zu Beginn an den Arbeiten von Werner Schweinfurth (*1951 in Wiesloch) fasziniert, ist seine Konzentration auf die Materialität seiner Werke. Seine Malerei ist von Farbe und Gestik bestimmt. Die Farbskala wechselt zwischen dunklen, schweren vorwiegend erdigen Tönen, hinzu kommen Schwarz, Grau und Weiß, einzelne Rot- und Gelbtöne. Werner Schweinfurth bearbeitet und entwickelt den Malgrund immer weiter. Die Farbe ist dabei nicht Träger eines weiteren (gegenständlichen) Inhalts, sondern entwickelt sich vielmehr selbst zum thematischen Kern. In immer neuen Versuchen studiert Werner Schweinfurth in jedem Bild genau die Eigenschaften des gegebenen Materials und sein Verhalten. Jede Handbewegung, die Führung des Pinsels als auch Art und Menge der verwendeten Farbe verändern die Wirkung. Die Farbe an sich ist zugleich Material und Thema der Werke Werner Schweinfurths.

Die intensive Auseinandersetzung mit der Farbe, spiegelt sich auch in der Auswahl seiner unterschiedlichen Materialen als Untergrund wider. So ist es bei den großformatigen Bildern auf Papier vor allem das eher gestisch zeichnerische, bei den Arbeiten auf Leinwand vielmehr die haptische Erfahrung mit dem Material Farbe, was im Zentrum seines Interesses steht. Seinen bildnerischen Handlungen liegen keine konkreten 'Vor-Bilder' zugrunde, alles entwickelt sich aus dem Vertrauen auf eine autodynamische Kraft der Malerei heraus. Werner Schweinfurth konzentriert sich in seinen Gemälden vor allem auf die Auseinandersetzung mit dem Prozess des Malaktes an sich. Dieser beginnt mit einzelnen zufälligen Setzungen, die im Verlauf zu einer Ahnung eines Bildes werden können. Die Pinselführung und Bewegung des Künstlers sind dabei jedoch nicht von einer klaren Vorstellung beeinflusst, sondern geschehen vielmehr intuitiv und unbestimmt. Nichts ist vorhersehbar.

Im richtigen Moment muss der Malakt schließlich beendet werden, bevor Kontrolle und Bestimmtheit zu groß werden. Die Schwierigkeit diesen richtigen Moment zu treffen, führt jedoch dazu, dass viele der Bilder dem eigenen Anspruch nicht genügen und deshalb vom Maler wieder zerstört werden. Jedes Bild unterliegt keinem System, ist deshalb auch immer als eigenständig und nicht als Teil einer Serie zu verstehen. Seit nicht allzu langer Zeit schafft Werner Schweinfurth auch Skulpturen, die aus einzelnen Stücken alter Gemälde zusammengesetzt werden. Hierfür entscheidet er sich oft dafür, gelungene Teile eines Gemäldes auszuschneiden, um es mit anderen zu kombinieren. Im weiteren Sinne, könnte man also auch die Plastiken als eine Art von weitergeführter Malerei begreifen.

Die entstandenen Werke von Werner Schweinfurth wirken nahezu organisch; sie wachsen über einen langen Prozess – wie eine natürliche Landschaft ihre Zeit benötigt um sich zu entwickeln. Die Zeit, die während des Malprozess vergeht, ist dem Bild unwiederbringlich eingeschrieben. Die Farbe ist das Grundelement der Malerei von Werner Schweinfurth. Die Farbe berührt, bewegt und umgibt den Betrachter. Sie vermag es eine Stimmung zu erzeugen, die auf das Innerste – den vielschichtigen Erfahrungen und Empfindungen in uns – verweisen.

Die mit einer deutlich spürbaren Energie aufgeladenen Bilder von Werner Schweinfurth beeindrucken durch die rhythmisch aufgetragenen Farben, die den gestischen Ausdruck auf eine dynamisch Art und Weise unterstreichen. Der Betrachter könnte dabei der Versuchung erliegen, von gemalten Emotionen zu sprechen. Denn in diesen Bildern kann nachvollzogen werden, dass gegenstandslose Darstellungen ihren Ursprung in tatsächlichen Erfahrungen haben, sich aus tatsächlich erfahrenen Eindrücken speisen, die denen des Betrachter nicht unbekannt sind. Mir persönlich erscheinen diese Arbeiten wie Erinnerungsbilder, als spontane Äußerung tiefer innerer, subjektiver Vorgänge, die der Maler versucht nach außen zu bringen und auf der Leinwand festzuhalten. Welche konkreten inneren Erfahrungen dies jedoch sind, bleibt das Geheimnis seiner Malerei.

Jenifer Trauschke ©, Kunstverein Freiburg



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